Interkulturelle Musik

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Die Welt ist Klang – so sagte einst der Kulturphilosoph und Musikhistoriker, Joachim-Ernst Berendt, angesichts seiner umfangreichen Forschungen und Dokumentationen zu den vielfältigen Musikkulturen, denen er weltweit nachspürte. Er war ein rastloser und von einer positiven Neugier bestimmter Genius, der stets umtriebig genug war, um Musik in unterschiedlichsten Aufführungspraxen sowie Formen zu beobachten, zu untersuchen und einer breitest möglichen Öffentlichkeit noch einige Jahre vor der omnipräsenten Wirkmächtigkeit von digitalen Datennachschlagewerken, wie etwa Wikipedia u.v.m., zugänglich zu machen. Musik wirkt in Berendts Sinne nicht nur unmittelbar für all die Menschen, die sie schaffen, prägen und ausüben, also für Komponisten, Arrangeure, Produzenten, Interpreten und ebenso Laien.

Vielmehr spricht Musik jeden Menschen an, gleichgültig welchen Lebensalters, gleichgültig welcher Herkunft, gleichgültig welcher Religion. Musik dient – und zwar dem Menschen, um ein menschenwürdiges Leben gestalten zu können. Somit ist Musik in diesem Sinne zutiefst menschlich und dessen traditionsreiches Kulturgut, das stets zu bewahren und zu schützen ist. Musik trägt somit zur Verständigung bei, zwischen allen Menschen, sei es klanglich oder auch sprachlich – Musik wird somit zu einer Sprache, die universell gilt und als Solche von allen Menschen zu verstehen ist. Musik kann niemand entfliehen – sie wirkt und umgibt uns Menschen als Teil unserer Umwelt, unserer Lebenswelt und gibt uns Menschen Kraft, Energie und Lebensfreude, die wir gemeinsam mit allen Menschen zu teilen imstande sind.

Der berühmte Violinen-Interpret, Lord Yehudi Menuhin verfolgte genau diesen Ansatz, indem er in der Weise seines Musizierens, das menschliche Leben als Spiegelbild beschrieb: „Das Hören auf andere Stimmen, Gegenstimmen und Dissonanzen — die Regeln der Musik spiegeln das Leben selbst.“ Musik ist also somit in der Lage, jeden Zustand, jede Form des menschlichen Lebens ausdrücken zu können. Hierzu noch einmal Worte von Lord Yehudi Menuhin, der Musik treffend charakterisiert: „Das Phantastische an der Musik ist ihre Fähigkeit, jedes nur denkbare Vorkommnis, jede Situation widerzuspiegeln, ob belebt oder unbelebt.“ Für jeden Musik ausübenden Menschen bedeutet dies einer großen menschlichen Leidenschaft und damit einem kulturellen Bedürfnis stets nachzugehen, so wie es Menuhin in seiner Deutung des musikalischen Schaffungsprozesses anschaulich zusammenfasst: „Beim Musizieren wurde es mir neulich klarer als je zuvor, dass das Verlangen des Menschen und dessen Ausdruck in der Kunst der unbegrenzten, unendlich vollkommenen, nie endenden Liebe gilt, von der die physische Liebe, wie wir sie in unserer Lebensspanne kennenlernen, nur eine Spiegelung, eine Nach-Schöpfung ist.“

Heiko Fabig