Eleni und „Der schwebende Schritt des Storches“

Eine kleine Schwärze in blauen ägäischen Meer! Wie Raubvögel fliegen zwei Helikopter tief bei einem düsteren Wetter, bei dem die gegenüber liegenden Küsten leicht zu erkennen sind. Die Leichen der Flüchtlinge, die sich zusammengeklammert haben, sieht man noch deutlicher. Sie bevorzugten das Sterben als zurückzukehren. Sie sind aus dem Deck des Schiffes ins Meer gesprungen. Die gruselige Anfangsszene des ersten Films der „Trilogie der Grenzen“ von Theodoros Angelopoulos ergänzt die traurige Musik von Eleni Karaindrou.

Der Film „Der schwebende Schritt des Storches“ vom 1991 schenkte genau vor 28 Jahren Aufmerksamkeit auf das menschliche Drama, das an den Küsten und Grenzen erlebt wird. Der Film würde die vorläufige Erschütterung der Massenflucht von Hoffnungsreisenden zwischen zwei Welten in den Herzen und Gedächtnissen am Beispiel von kurdischen Flüchtlingen sein. Er ist es auch… Ein Dialog im Film fasst so zusammen wie die heimatlosen Menschen inmitten ihres Lebens am Ufer eines Flusses standen: „Wie viele Menschen müssen sterben bis jene Grenzen geöffnet werden? Und wie viele Grenzen muss man überschreiten um seine Wohnung zu erreichen?“

Die Hoffnung der Menschen ein besseres, gerechteres und freies Leben zu führen, wird vielleicht für tägliche, politische Interessen geopfert. Aber diese wesentliche Frage wird immer wieder gestellt. Genauso wie in einem Konzert der unvergesslichen Komponistin der dramatischen Filme Eleni Karaindrou an einem Abend in der Hagia Irene in Istanbul geschehen ist… Die traurigen Noten der Meisterkomponistin verhallten sich und brüllten am Bahnhof einer Grenzprovinz wie Trauergesänge von kurdischen Müttern, Schwestern und Kindern unter der Kuppel.

Ich hatte mit der berühmten Musikerin und Komponistin Eleni Karaindrou in ihrer letzten Probe vor ihrem Konzert in der Hagia Irene in Istanbul zusammengetroffen. Wir haben über Musik, Istanbul, Filme, die sie mit Angelopoulos machte, und Flüchtlingsfrage infolge des Bürgerkrieges in Syrien unterhalten. Sie erzählte die Szene vom Film „Der schwebende Schritt des Storches“ des griechischen Filmregisseurs Theodoros Angelopoulos, als ob sie es selbst erlebte.

Bis jetzt hat Eleni Karaindrou viele Konzerte mit großen Sinfonieorchestren in prachtvollen Saals gemacht. Die Türkei, in die sie erst vor 30 Jahren als Jurymitglied eingeladen wurde, ist nun ein freundliches Tor. „Dass ich immer wieder hierher komme, lässt mich sehr berührt fühlen. Istanbul ist eine besondere Stadt und beherbergt viele großartige Menschen in kultureller Hinsicht.“ sagt sie und fügt hinzu: „Die größte Einladung für mich ist, dass ich mit Dichtern, Malern und Musikern schöne Freundschaften habe.“

Ich schulde vieles Angelopoulos
Sie hatte für viele Theaterstücke und Filme Melodien komponiert. Sie glaubt aber, dass sie besonders durch die Melodien erinnert wird, die sie für Filme von Angelopoulos komponiert hatte. Karaindrou kann für die universellen seelischen Zustände wie Drama, Tragödie und Nostalgie, die Trauer und Leiden assoziieren, und die die ganze Welt mit griechischen Wörtern ausdrücken, Noten schreiben. Trotzdem fühlt sie sich optimistischer und hoffnungsvoller. Sie sagt über den berühmten Filmregisseur folgendes: „Er war ein Mensch, der Ziele hat. Ich schulde ihm vieles, wenn ich jetzt die Menschlichkeit in politischer und historischer Hinsicht verteidige und die Freiheiten hervorhebe.“

Auf meine Frage über ihre Inspirationsquelle antwortet Karaindrou auch vom Herzen: „Das Leben. Ich achte die Menschen und halte die zwischenmenschlichen Beziehungen für sehr wichtig. Meine Musik ist mein innerer Klang.“ Obwohl sie das Altgriechische so beherrscht, dass sie die antikischen Texte lesen kann, sagt sie: „Ich teile meine Worte im gegenwärtigen Griechisch mit den heutigen Menschen.“

Als die politische Würde und die demokratische Positionierung von Eleni Karaindrou in den 1970er Jahren die Junta störte, musste sie Griechenland verlassen.

Die Künstlerin sagte, dass die Tragödie weiter geht und begleitete sie mit ihren Noten. Ihre Fragen wie „wie viele Menschen müssen sterben bis sie jene Grenzen überschreiten? Und wie viele Grenzen muss man überschreiten um seine Wohnung zu erreichen?“ warten immer noch auf eine Antwort.

Die Hagia Irene war meine Hausaufgabe
Die Hagia Irene, in der Eleni Karaindrou Konzerte gab, war ihrem lyrischem Ausdruck zufolge ein besonderes und altes Traum.

Sie war in ihren Proben sehr aufgeregt. Wenn ich nach dessen Grund fragte, brachte sie uns in die alten Zeiten. Als sie Architektur und Geschichte studierte, machte sie sehr gerne die Aufgaben über diesen historischen Bau. In der Türkei kennt man sie nicht aus den Konzertsaals, sondern mit den CDs, die man jederzeit an der bekannten Istiklal Caddesi in Istanbul hört.

Sie erzählt auch von einer Erinnerung, die besagt, was sie denkt: „Es gibt ein Gebäude in Beyoglu/Istanbul, das zum griechischen Konsulat gehört und zurzeit als Kulturzentrum dient. In den Buchhandlungen vor diesem Gebäude hört man oft ganz laute Musik, worauf der griechische Konsul gesagt haben soll: „Macht die Stimme von Eleni leiser, damit wir weiterarbeiten können.“

Nun ist es schwierig, Eleni zum Schweigen zu bringen. Und die Stimme von Musik und universellen Werten auch… Aber mindestens wie sie muss man mutig, tapfer und produktiv sein.

Die Komponistin, die sich an eine Szene vom Film „Der schwebende Schritt des Storches“ des griechischen Filmregisseurs Theodoros Angelopoulos erinnerte, beschwerte sich über die Ohnmacht der Politiker gegenüber der Flüchtlingsfrage und kritisierte die Gleichgültigkeit Europas:

„Der Zustand der Flüchtlinge, die aus Afghanistan, dem Irak und jetzt Syrien kommen, ist eine Tragödie und es wiederholt sich immer wieder, aber niemand unternimmt etwas.“

Die Tragödie wiederholt sich…

Selahattin Sevi